Richtfunk vs. Satellit: Ein objektiver Vergleich für abgelegene Standorte und kritische Backup-Lösungen
Wenn die Glasfaser nicht hinkommt
Ob abgelegene Produktionsstätte, ein Windpark oder ein neues Gewerbegebiet auf der grünen Wiese: Die Anforderung an eine stabile Datenanbindung ist überall gleich. Doch was tun, wenn der Glasfaserausbau noch Jahre entfernt ist oder die Kosten für Tiefbau durch unwegsames Gelände explodieren? Dann bleiben oft zwei praktikable Technologien übrig: Richtfunk oder Satellit. Beide überbrücken Distanzen kabellos, funktionieren aber grundlegend unterschiedlich. Ein objektiver Vergleich hilft bei der Entscheidung.
Die Technologien im direkten Vergleich
Der entscheidendste Unterschied liegt in der Latenz, also der Verzögerung bei der Datenübertragung. Bei Satelliteninternet, insbesondere bei geostationären Satelliten in 36.000 Kilometern Höhe, müssen die Signale weite Strecken zurücklegen. Die Folge sind Latenzen von oft 600 Millisekunden oder mehr. Selbst moderne Low-Earth-Orbit-Systeme wie Starlink liegen immer noch bei 40 bis 50 Millisekunden.
Richtfunk hingegen nutzt die direkte Funkverbindung durch die Atmosphäre. Hier breitet sich das Signal nahezu mit Lichtgeschwindigkeit aus. Die Latenz ist extrem gering und liegt oft im einstelligen Millisekundenbereich. Das macht Richtfunk zur ersten Wahl für latenzsensible Anwendungen wie Echtzeit-Steuerung von Maschinen, Videokonferenzen oder Cloud-Zugriffe.
Auch bei der Bandbreite zeigen sich deutliche Unterschiede. Aktuelle, lizenzierte Richtfunksysteme, wie sie die IMS Kommunikationstechnik GmbH installiert, erreichen Bandbreiten von bis zu 10 Gbit/s. Systeme wie die ALFO Plus 2-Technologie bieten eine Übertragungskapazität von bis zu 2×2 Gbit/s – genug, um auch mehrere Unternehmen gleichzeitig zuverlässig zu versorgen. Satellitenverbindungen hingegen teilen sich die begrenzte Gesamtkapazität mit tausenden anderen Nutzern. Bei hoher Auslastung drohen zudem Drosselungen.
Beide Technologien sind atmosphärischen Einflüssen ausgesetzt. Starker Regen, Nebel oder Schnee können zu Dämpfungen führen. Moderne Richtfunksysteme sind jedoch darauf optimiert und erreichen Verfügbarkeiten von 99,995 Prozent. Satellitenverbindungen leiden nicht nur unter Bewölkung – bei starkem Regen kann die Verbindung vollständig abbrechen.
Anwendungsszenarien: Wer gewinnt wo?
Für abgelegene Dauerstandorte in ländlichen Regionen, wo Glasfaser unwirtschaftlich ist, hat der Richtfunk oft die Nase vorn, wenn die Entfernung zum nächsten Netzknotenpunkt nicht zu groß ist. Er liefert Glasfaser-ähnliche Performance ohne die hohen Tiefbaukosten. Für extrem abgelegene Punkte wie Forschungstationen oder Bohrinseln bleibt hingegen nur der Satellit.
Als Backup-Lösung für kritische Infrastrukturen ist Richtfunk der ideale Partner. Eine bereits bestehende Richtfunkstrecke kann nach erfolgtem Glasfaserausbau als zweiter, vollkommen unabhängiger Datenpfad weiterbetrieben werden. Fällt die Glasfaser durch einen Baggerschaden aus, übernimmt nahtlos der Richtfunk. Ein Satellit wäre hier mangels Echtzeitfähigkeit nur eine Notlösung für absolute Basisaufgaben.
Bei Großbaustellen, Events oder temporären Produktionserweiterungen ist Richtfunk unschlagbar. Die Technik ist schnell installiert, flexibel und nach Projektende wieder demontierbar.
Fazit: Sinnvolle Ergänzung, nicht Konkurrenz
Die Satellitenverbindung bleibt die ultimative Lösung für die Anbindung absolut entlegener Punkte, die auf keine andere Weise erreichbar sind. Für alle anderen Szenarien – die Anbindung von Gewerbegebieten, die Vernetzung von Betriebsstandorten oder die Absicherung kritischer Infrastrukturen – bietet der moderne Richtfunk die überlegene Leistung zu wirtschaftlich attraktiven Konditionen. Während die Glasfaser das Rückgrat der Digitalisierung bildet, fungiert Richtfunk als flexible Verlängerung und zuverlässige Absicherung.
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